Nachdem sich bei Herrn Mendweg endlich ein paar erste berufliche Veränderungen ergeben haben, steht diese Woche eine Reise in die Türkei an. Man besteigt also den Flieger in München und landet nicht mal drei Stunden später am Flughafen in Istanbul. Dort rennt man dann zur Passkontrolle und überholt dabei mindestens die Passagiere von drei Flügen um an der Passkontrolle festzustellen dass noch immer 5 Flugzeugladungen vor einem stehen.

Draussen wartet der angekündigte Fahrer, hinter dem man dann her rennt, um die nächsten zweieinhalb Stunden im Stau zu stehen. Der Osten wird mit dem Westen durch zwei Brücken, die den Bosporus überspannen, verbunden. Im Süden befindet sich die 1.Bosporus Brücke welche die Stadtteile Beşiktaş und Üsküdar verbindet. Im Norden befindet sich die neuere Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke. Wir nehmen die 1. Bosporus Brücke und tasten uns langsam nach Osten – umgeben von Dauerhupen und Händlern die Brot, Wasser, Luftballons und Rosen verkaufen. Man könnte fast meinen dass die Hälfte der 13,1 Mio Einwohner Istanbuls unterwegs ist, aber ich kann mich auch täuschen denn schliesslich ist es zappenduster.

Am nächsten Morgen holen mich mein Fahrer und ein Geschäftspartner um 6:15 Uhr ab (also 5:15 MEZ) und da es schneller geht nehmen wir die Fähre über den Bosporus, was mir zumindest wunderbare Eindrücke verschafft.

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Nun folgt ein normaler und anstrengender Arbeitstag mit drei verschiedenen Kundenterminen und langen Autofahrten. Mein Fahrer (der Schwager vom Firmenchef, der im Münchner Stadteil Hasenbergl aufgewachsen ist) meint nach dem letzten Termin dass es jetzt nur zwei Stunden zum Hotel sind. Wenn kein Stau auf der Brücke ist, sonst sind es drei oder vielleicht mehr.

Derweil jagt er den Dacia mit 140 durch Autobahnbaustellen mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h und qualmt wie ein Schlot. Da ist dann auch schon egal dass die Karre zwar Gurte auf der Rückbank hat, aber keine Gurtschlösser…

Nennen wir meine beiden Begleiter mal aus Sicherheitsgründen Erol und Yussuf. Der eine ist wie gesagt in München aufgewachsen, bis man ihn wohl wegen einiger Schlägereien und Drogendelikten beinahe ausgewiesen hat und er noch rechtzeitig in die Türkei abgehauen ist. Das ist allerdings etwa 25 Jahre her und heute merkt man fast nichts mehr davon. Bis auf das 25 cm lange Multifunktions-Combat-Messer, mit dem er mal kurz einen Faden vom Anzug abschneidet. Der andere ist ein junger Geschichtslehrer, der mit seinem Gehalt von knapp 600 € schon irgendwie in die freie Wirtschaft gezwungen wurde.

Erol und Yussuf kümmern sich total nett um mich – ich werde ständig mit Essen und Tee versorgt und als Dankeschön habe ich Yussuf meine deutsche Qualitätserkältung geschenkt. Erols Nachfrage ob er mir eine Frau aufs Hotelzimmer schicken soll, habe ich nach Denkpause mit dem Hinweis auf US-Telefonate und Arbeitsaufkommen dankend abgelehnt. Trotzdem bleibt der Satz „Du, ich muss Dich fragen weisst Du, soll ich Dir Frau auf Zimmer schicken ist kein Problem“ noch lange in Erinnerung bleiben.

Herr Mendweg ist schon ein wenig rumgekommen in der Welt und wer in Sao Paulo und Calcutta mit dem Taxi unterwegs war ist schwer zu erschüttern.

Erol hat das am frühen Nachmittag trotzdem geschafft, als wir auf der Autobahn mal wieder in einem Stau gelandet sind. Was macht der gute türkische Fahrer? Genau – Rückwärtsgang rein und zurück zur letzten Ausfahrt (ca. 2 km hinter uns) Anfangs fahren wir einfach nur hinter einem ebenfalls rückwärts fahrenden LKW her. Der ist aber für Erol zu langsam, weshalb er ihn auf der mittleren Spur überholt und volle Kanne weiterdüst (unter lautem Hupen der vorbeirasenden anderen Rennfahrer), bis schliesslich die erlösende Ausfahrt kommt. „Ey musst Du ganz locker bleiben – ist hier Türkei weisst Du?

Zur Belohnung bekomme ich am nächsten Supermarkt zwei Dosen eiskaltes Bier und ein Tütchen Nüsse. Besserer Service als bei der Lufthansa…

Zurück geht es heute Abend über die obere Brücke – der Stau ist ähnlich wie am Vorabend und so schlage ich schliesslich gegen 21 Uhr im Hotelzimmer auf. Und weil das mit der Arbeit nicht gelogen war, wird halt noch bis 23 telefoniert und gemailt. Ich hätte doch das Angebot von Erol annehmen sollen. Vielleicht hätte die Dame ja für mich die Emails schreiben können?

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Der nächste Tag fängt mit einer Abholung durch Erol, Yussuf und den Boss der Beiden an – standesgemäß nicht im Dacia sondern im E350 AMG. Erol trägt wie bereits gestern meine Aktentasche zu den Meetings und die Sonne scheint bei wunderbaren 24°C. Istanbul ist voller Kontraste – konservativ hier und modern dort. Moscheen und Minarette und daneben supermoderne Hochhäuser. Türkinnen mit Kopftüchern und ab und zu sogar mit Niqab und dann wieder ganz moderne Frauen mit westlicher Kleidung. Wirklich extrem spannend hier!

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13 thoughts on “Zwischen Ost und West

  1. Den Tee bitte umgehend zu mir. Am besten sie verpflanzen die ganzen Impressionen direkt vor meine Haustür. Kann meiner Genesung nur gut tun. *schnief*

      1. …aber in den wenigen Minutenn hast Du bestimmt den Anzug durchgeschwitzt und Dein Leben lief an Dir vorbei. Au weia!

        1. Nööö…nicht ganz so schlimm ;-)
          Ich hatte schon mal eine Begegnung mit einem Geisterfahrer und schlimmer gehts nimmer

  2. Istanbul ist klasse.
    Noch immer habe ich die Gerüche des Gewürzbasars in der Nase. Ich habe damals mit einer Freundin auf der Bosporus-Brücke Geburtstag gefeiert – immer abwechselnd in Asien oder Europa. :-D

    Aber was hat sich bei dir denn jetzt beruflich getan? Du bist noch immer laufend auf Achse, nur jetzt scheint das Ganze lebensgefährlich zu sein. :-D

    1. Sagen wir mal so – meine Bewegungsradien werden sich wohl im kommenden Jahr zum Glück etwas verändern..

  3. Tja, da kommt es wieder raus. Du als Einzelperson wurdest noch gefragt, ob man Dir eine Frau aufs Zimmer schicken soll. Auf die armen ERGO-Mitarbeitern wurden die Frauen einfach losgelassen. Ist also alles nur kulturell bedingt. :D

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