Neue Woche – neues Glück.

Sonntagmorgen um 9 klettern Herr Mendweg und sein dämlicher Husten ins Auto und düsen zum Flughafen München. Nachdem die Kunden in Israel Sonntags arbeiten fahre ich mal wieder telefonierend durch die Weltgeschichte. Auto abgeben, einchecken, in den Flieger. 


Im verregneten Frankfurt raus aus dem Flieger und gerade noch in den Anschlußflieger. 

Auf dem Weg nach Dubai finden sich im Flieger immer auffällig blonde attraktive Damen in Reizbetonender Kleidung

 

 

 

Sechseinhalb Stunden später (und + 2 Zeitzonen) sehe ich im Landeanflug die beeindruckene Skyline Dubais. 


Raus aus dem Flieger, Einreiseformalitäten, Koffer, Taxi, Hotel, Bett. Und wie war Euer Sonntag so?


Am nächsten Morgen stelle ich gegen 4:30 fest dass gegenüber eine Moschee ist und der Herr Muezin zum Morgengebet ruft.


Gegen 8:45 springe ich voll motiviert durch die Hoteltüre und verglühe umgehend in 36°C. Ende der Geschichte.

Nein, nicht ganz – ich habe dann gegen Mittag doch noch 41°C im dunklen Anzug erlebt. Dazwischen Ortstermine, Projektbesprechungen, danach Mittagessen und Kundentermine. Den Luxus abends beim Burj Khalifa mit einer netten Mitarbeiterin unseres Händlers zu Abend zu essen bezahle ich dann später mit zweieinhalb Stunden nachsitzen und emails beantworten.


Interessant ist was ich so in verschiedenen Einzelgesprächen erfahre. Dubai hat eine umwerfende Hochglanzfasade, aber dahinter findet man ein Haifischbecken in dem es nur ums Berufliche geht und sich niemand wirklich ernsthaft für den anderen interessiert. Hier geht es um Geld und Karriere – wer echte Freunde sucht, sollte sich ein anderes Ziel raussuchen. Auf der anderen Seite bieten sich natürlich gerade beruflich atemberaubende Möglichkeiten, wie ich nicht zuletzt von einem deutschen Architekten bestätigt bekomme.

Ernüchternd ist auch die Erkenntnis, dass ich von Sonntagabend bis späten Dienstagnachmittag keinen gebürtigen UAE-Bürger treffe. Nur Gastarbeiter mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, die natürlich an den Arbeitgeber/Sponsor gebunden ist. Wer seinen Job verliert ist wie auch in den USA raus.

Abgerundet wird diese ehrliche Betrachtung von extrem hohen Lebenshaltungskosten.


Dienstagnachmittag verabschiede ich mich von dieser Hochglanzfototapete und steige in einen der Langstreckenflieger von Emirates (Mendweg Junior hat mir vorher erklärt dass Emirates nur Langstreckenflieger hat und der Blick ins Bordmagazin bestätigt diese Information) auf den Weg nach Indien.


Halt nein – nur weil das Flugzeug voller Inder ist, heisst das noch lange nicht dass es dort hingeht. Das nächste Reiseziel ist der nächste Sandkasten – das Sultanat Oman mit seiner Hauptstadt Maskat. Sultan Qabus ibn Sa’id Al Sa’id hat 1970 mit einem klassischen Staatsstreich seinen eigenen Vater abgesetzt. Da dieser damit nicht einverstanden war schoss er erst mal mit seiner Pistole wild in der Gegend herum und verletzte einen Mitstreiter seines Sohnes. Beim Nachladen hat er sich dann versehtlich in seinen eigenen Fuss geschossen und damit den Putsch selber blutig beendet. Nach Unterzeichnung der Abdankungsurkunde und medizinischer Versorgung ging es in Exil nach London, wo der Herr Ex-Sultan dann zwei Jahre später in seinem Hotel verstarb. Sultan Quabus öffnete nach der Machtergreifung sein Land zum Westen und begann daran zu arbeiten den Oman zu einem modernen Staat zu wandeln. Die beachtlichen Einnahmen aus den Ölquellen waren dabei natürlich sehr hilfreich und schon bald folgten Unmengen Gastarbeiter dem Ruf des Geldes. Klingt alles prima, aber man sollte nicht vergessen das im Oman nicht nur gefoltert wird, sondern auch noch die Todesstrafe gilt.

Und dann gibt es wohl eine Vielzahl seltsamer Dinge. Beispiel:

Alle Privat-PKW sind mit einem „Piepser“ versehen, der sich beim Überschreiten der gesetzlichen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h einschaltet. Ausserdem sind im Oman staubige Autos seit 1973 gesetzlich verboten und wer sein Auto nicht regelmäßig wäscht, riskiert ein Bußgeld, bei Wiederholung die Konfiszierung des Wagens. Naja…

Wer im Landeanflug eine Skyline wie in Dubai erwartet, wird bitter (oder jeh nach Sichtweise positiv) enttäuscht.  Seit vielen Jahren ist es gesetzlich verboten, Gebäude mit mehr als 8 Stockwerken zu bauen und so sieht man aus dem Flugzeugfenster fast nur kleine würfelförmige, weisse Häuser. Für mich ein erfrischender Kontrast zur Hochhauslandschaft der letzten Tage.


Raus aus dem Flieger, schnell die Gebühren fürs Visum bezahlt, mehrere neue Stempel im Pass, Koffer, Geld abheben, Taxi und ab ins Hotel – diesmal das Raddison. Es folgen mal wieder ein paar Stunden mit emails und meine erste Nacht im Oman. 


Am nächsten Morgen erwartet mich mein Händler (gebürtiger Inder) der mich zu mehreren Objekten in Maskat fährt um die Marktsituation zu verstehen. Bemerkenswert ist, dass der Oman von ausgeprägten Felslandschaften durchzogen ist – kleine Berge, Täler mit Wadis, Quellen, Flüsschen und daher kleinen grünen Oasen zwischen den kargen Felsen. Wunderschön und irgendwie wächst der Wunsch hier mal Urlaub zu machen und so geniesse ich die Fahrt die allerdings immer wieder vom Piepsen der 120 Km/h Warnung gestört wird…


Am frühen Abend dann Zeit sich zu verabschieden und die Reise zum letzten Sandkasten dieser Woche anzutreten. Vorher noch etwas Arbeit in meinem Mobil-Büro und dann ab nach Kuwait.


So, was weiss man über Kuwait so? Brennende Ölquellen, Golfkrieg…

Kaum jemand ist sich allerdings bewusst was für eine bewegte Vergangenheit das Emirat hinter sich hat. Perser, Mongolen, Portugiesen, Türken, Engländer und dann schliesslich Unabhängigkeit die tapfer erstritten werden musste. Im ersten Golfkrieg kämpfte man noch gemeinsam mit den Irakern gegen den Iran, im zweiten wurde man zum Dank von den völlig verschuldeten Irakern besetzt und schliesslich von multinationalen Streitmacht mit UN Mandat befreit.

Und ich stehe jetzt hier vor der Dame bei der Einreise die mich wegen meines fehlenden Visums in den ersten Stock des Flughafens schickt. Also Treppe rauf, einmal quer durch den Flughafen und rein in den Visumsbereich. Jemand macht eine Fotokopie meines Passes, drückt mir ein Formular in die Hand und einen Zettel mit der Nummer 366. Der linke Schalter zeigt 352 – aber was heisst das schon?


Nach zwanzig Minuten bin ich dran und werde viele Fragen gefragt die von munterem Stempeln auf verschiedenste Formulare begleitet werden. Und dann die Frage wo meine „stamp“ sei. Ratlos schauen kann ich prima und mein Gegenüber schmunzelt und deutet zu zwei Automaten in zehn Metern Entfernung. Ha, das ist ja kein Problem.

Doch, ist es denn der Automat nimmt keine Kreditkarten sondern nur Bares. Also einmal quer durch den Flughafen zur Wechselstube und zurück und für 3 Kuwaitische Dinar (KWD) eine kleine Briefmarke gekauft die dann mit einem feierlichen letzten Stempel auf das Einreiseformular geklebt wird. Fertig! Nein? Nein! Weiter geht es zum nächsten Schalter wo wieder fröhlich gestempelt wird und dann habe ich endlich meinen Pass mit einem A4-Einreiseformular zurück.

Beim Einreiseschalter lande ich wieder bei der selben Dame die ich höflich anlächele und meinen Pass mit Papier überreiche – hat ja auch nur 45 Minuten gedauert. Und was macht die Dame? Sie lächelt zurück und schiebt mir den Pass ungesehen einfach zurück: Welcome to Irak!


Prima. Und jetzt das nächste Problem. Wenn man im Gepäckbereich ankommt wird einem ja normalerweise auf einer Anzeigetafel vorgegeben, an welchem Gepäckband denn der Koffer ankommt. Nachdem ich aber schon vor einer Stunde angekommen bin wird natürlich nichts mehr angezeigt. Also suche ich die ganzen Bänder ab um schliesslich beim sechsten fündig zu werden. Jippie

Draussen im Empfangsbereich steht leicht angefressen mein recht junger Chauffeur. Zu dem Alter passt auch das Fahrzeug- ein getunter Ford Mustang mit Totenkopf-Dekor im Innnenraum. Also lege ich mich in den Schalensitz und versuche mit gestrecktem Hals aus dem Fenster zu schielen. Was ich sehe ist anfangs sehr dunkel und wird dann immer Neonheller. Ganz ehrlich – es sieht aus wie in Florida. Palmen, phantasielose Betonbunker, alle großen US – SUVs (besonders viel Chevy) und sämtliche US-Fastfoodketten. Vor dem Hotel begebe ich mich wieder in eine aufrechte Haltung und begebe mich nach der Erkenntnis, dass das Hoteleigene Restaurant nur alkoholfreies Bier serviert frustriert mit meinem treuen Husten ins Bett.


Inzwischen ist es Donnerstagmorgen und in der Lobby begrüßt mich strahlend mein Händler in Kaftan, Kufya und der schwarzen Kordel dem sogenannten Agal. Schaut schon toll aus und der weisse Porsche Panamera rundet das Gesamtbild ab. 


Es folgt ein Vortrag im Innenministerium, Ortstermine bei der Rekordtemperatur der Woche (45 Grad), Strategiegespräche und ein ausgiebiges arabisches Mittagessen. 


Danach ist Schluss, denn in Kuwait gleitet man ab Donnerstagmittag ins Wochenende. Mir bleiben ein paar Stunden zum Arbeiten und gegen 23 Uhr die Fahrt zum Flughafen. Zwei Uhr morgens soll mein Flieger gehen – dummerweise verspätet sich alles und ich mache mir Sorgen um meinen Anschlußflug nach München. 

Morgens um 7:45 einmal durch den Frankfurter Flughafen rennend rettet mich schließlich dass der Flieger nach zu Hause auch verspätet ist. Glück gehabt! 


Am Ende der Woche bleibt die Erkenntnis dass Dubai eine reine Hochglanzfasade ist, der Oman sehr ursprünglich wirkt und neugierig auf mehr macht und Kuwait einen hohen kulturellen Preis an die Schutzfreunde USA zahlen.

3 thoughts on “Sandkastenspiele

  1. Alter Schwede, boah ey, wat ’n Ritt ! Zwischendurch etwas gejammert aber
    trotzdem durchgehalten. Klasse Bilder, sogar bewegliche. Vielen lieben Dank.
    Und jetzt, husch, husch ins Bettchen Mrs Mendweg kommt mit dem Hustensaft.
    Gute Besserung http://www.mendweg.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif

    1. Hallo Herr Arno,
      ich arbeite brav am Genesungsprozess – schließlich geht es ja in eineinhalb Wochen weiter.
      Liebe Grüße

  2. geht’s dir mittlerweile besser?
    Ich habe Deinen Bericht mit Vergnügen gelesen.
    Während ich mich drei Wochen lang auf Fehmarn saniert habe.

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