Im Nachhinein gesehen waren die Vorzeichen eigentlich deutlich und klar. Aber wer achtet schon auf Vorzeichen? Sie?

Mittwochmorgen auf dem Weg von Kaufbeuren zum Flughafen München – normalerweise eine Sache von 1:15 h, aber heute staut sich alles rein und so werden es am Ende fast 3 Stunden, bis der Quattro im Parkhaus steht und ich den schwarzen Geschäftsfuzzi-Bordtrolley Richtung Security zerre.

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Nach intensiver Überprüfung des Gepäcks weiss ich zumindest dass ich alles dabei habe – ist doch auch schön. Gate, Plastiksitz, Mails. 32 Stück seit dem morgendlichen Rasieren? Na Danke! Als ich im Flieger das iPhone ausschalte sind nur zwei offen, wofür ich vom Leben mit einer entzückenden Nachbarin belohnt werde. Ende 50, Typ alleinlebende stellvertrende Rektorin mit Fächern Geschichte / Latein. Ihre mitreisende Freundin wird während der Reise ausgiebig mit Informationen versorgt welche Ausstellungen in London in den kommenden Tagen Pficht sind. Ich flüchte mich mit Hilfe von Mr. Kindle in meinen Krimi in dem der Mörder aus den Körperteilen seiner Opfer Skulpturen formt. Zum Arbeiten ist leider in der Holzklasse kein Platz.

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In Heathrow angekommen der übliche Ablauf – bei der Einreise immer hübsch rechts halten, denn das ist der Weg zu den Kontrollen für maschinenlesbare Pässe. Beim Schlangestehen schnell mit der entsprechenden App das Ticket für den Heathrow-Express gebucht (Danke Steve Jobs!), dann im Schweisgalopp den ziemlich langen Weg zur Bahn.

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Ankunft Paddington und schon wieder zu früh für Miss Marple

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Jetzt schnell im Hotel einchecken und mit unserem Händler mittels U-Bahn zum ersten Ortstermin.

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Hier entstehen zwei Luxusappartements für Menschen deren Heimat eher sandig ist…

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Nach der Arbeit bleibt etwas Zeit, um diese wunderbare Stadt zu beobachten.

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Und weil es einen beruflichen Zusammenhang gibt geniessen wir das erste Feierabendbier in der Bar in The Shard.

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Keine Frage – die Aussicht ist spektakulär und man erwartet fast Daniel Craig als James Bond mit einem Speedboot über die Themse rasen zu sehen.

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Irgendwie ist die Restaurantwahl an diesem Abend zwar „posh“ aber von der Speisenauswahl eher „bemüht“.

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Der nächste Morgen begrüßt mich mit typischem englischen Wetter und irgendwie hätte man spätestens jetzt an diesem Wahldonnerstag etwas merken müssen.

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Ich erfahre durchs Fernsehen, dass es in vielen Vororten Londons durch die nächtlichen Regenfälle zu Überschwemmungen gekommen ist und dass davon auch viele Metrolinien betroffen sind.

Egal, ich checke aus, gebe meinen schwarzen Geschäftsfuzzi-Bordtrolley beim Concierge ab und trete aus der Hoteldrehtüre ins morgendliche London. Über die Strasse und zur U-Bahn-Station, denn ich bin mit meinem Händler an der U-Bahn-Haltestelle Kings Cross verabredet. Fahrkarte gekauft, durch die Schranke um die Ecke und…

STOP

Die Schlange staut sich zurück vom Bahnsteig, über die Treppe, den ganzen Gang entlang bis genau zu mir. Im selben Moment kommt eine verhallte Ansage aus dem Lautsprechern, dass es zu Verzögerungen kommt.

Kein Problem, Herr Mendweg ist Krisenfest, weltgereist und hat natürlich einen Plan. Raus aus dem Bahnhof, über die Strasse und zum Hotelpagen um mir als Hotelgast ein Taxi rufen zu lassen. Dieser grandiose Plan wird mit einem mitleidigen Lächeln und einer Handbewegung Richtung gesperrter Strasse vernichtet. Ich solle doch bitte ein,zwei Querstrassen weiter mein Glück versuchen.

OK – kein Problem und so wandere ich ein,zwei Querstrassen weiter während es anfängt sanft zu nieseln (bei 25°C). Schon mal versucht um 08:30 morgens in London ein leeres Taxi zu erwischen?

Nach 15 Minuten gebe ich den Plan auf und mache mich auf den Weg zu einem anderen U-Bahnhof. Als ich den 15 Minuten später erreiche bin ich gut angenässt aber die Metro fährt. Und natürlich ist sie rappelvoll. Rappelvoll mit nassen Leuten. Als ich 5 Stationen später japsend aus der Bahn falle bin ich komplett nass – prima Ausgangslage für drei wichtige Kundentermine. „Hallo ich bins und was hier so nach Schweiss mieft bin auch ich“

Natürlich ist der Brexit immer wieder Thema, aber man ist sich auch immer wieder einig dass die heutige Abstimmung zwar knapp aber trotzdem pro Europe ausgehen wird.

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Als ich am späten Mittag das letzte Meeting erfolgreich beendet habe buche ich meinen Rückflug um und mache mich nach einem kurzen Mittagessen auf den Weg zum Hotel, schnappe meinen schwarzen Geschäftsfuzzi-Bordtrolley und besteige erneut den Heathrow-Express.

Am Flughafen muss erst mal das Reservehemd das drei mal durchgeschwitzte Hemd vom Morgen ersetzen und dann…
…dann geht das Warten los, denn der frühere Flieger ist eine Stunde verspätet. Im Flieger selber erfahren wir dann, dass es auch noch dauern wird – das liebe Wetter halt. Am Ende sind es dann 2,5 Stunden, aber ich bin dankbar, denn irgendwann kam von der Worldmate-App der Hinweis dass mein ursprünglicher Flug storniert wurde.

Gegen Zehn bin ich dann doch endlich in München und in meinem Auto

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Das bittere Erwachen kommt dann am nächsten Morgen, als wir erfahren dass Großbritannien aus der EU austreten wird, weil man Lügnern und Populisten mehr geglaubt hat als Politikern die versäumt hatten ihre Bürger „mit ins Boot zu nehmen“.

6 thoughts on “Brexit

  1. Wer hätte das gedacht? Hatten sie doch stets die erfahrensten Politiker ihres Landes und in größtmöglicher Anzahl in Brüssel. Hat wohl trotzdem nicht mehr so gut funktioniert, nur die Sahne abzuschöpfen …

    1. Tja, in dem Fall hat vieles nicht funktioniert und es wird auch noch mehr auf GB zukommen. Schade eigentlich, aber jetzt ist es zu spät

  2. Schauen wir mal, wo es Europa hinführt. In Frankfurt werden wohl schon neue Büroflächen von den Banken angemietet die London verlassen …

  3. „Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben.“
    Diese Bericht ist ein klassisches Beispiel dafür.

    Was das Brexit-Ding angeht:
    Obwohl ich den Europa-Gedanken sehr mag und fest davon überzeugt bin, dass wir eines Tages sogar eine Weltregierung brauchen und haben werden, ist die Menschheit im Moment einfach noch nicht soweit.

    Die Unterschiede sind einfach noch zu groß. Selbst in Europa.
    Und eigentlich waren die Engländer doch nie gute Europäer, oder??
    Die Briten sind weiterhin brav links gefahren, haben am Pfund festgehalten und den Ärmelkanal haben sie auch nicht zugeschüttet, damit sie sich schön von uns abschotten können. http://www.mendweg.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_mttao_cowboy_biggrin.gif

    Ich sehe das ganze nicht so dramatisch und im Moment ist vieles wahrscheinlich nur populistische, überzogene Panikmache.

    1. Guten Morgen in die Eifel,
      grundsätzlich sehe ich das genauso und wenn GB sein eigenes Ding durchziehen will (oder auch nicht) sollen sie das tun. Dann aber mit allen Konsequenzen und ohne Rosinenpicken. Meine Sorgen gehen dahin, dass man trotz anfänglichen Statements weitere Zugeständnisse von Seiten der EU machen wird, um wirtschaftliche Folgen zu minimieren. Sprich: keine Pflichten mehr, aber alle Vorteile. Die mantraartigen Wiederholungen der Politiker, dass das nicht passieren wird, deuten für mich leider darauf hin dass es passieren wird.
      Daraus ergäbe sich die nächste Gefahr, nämlich dass andere EU-Mitgliedsstaaten ebenfalls diesen Weg versuchen und DAS macht mir wirklich Sorgen http://www.mendweg.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_sad.gif

      1. Guten Abend ins Allgäu, (Oder wo auch immer du gerade mal wieder steckst)

        Jow, bin komplett deiner Meinung.
        Ich kann über dieses weltweite politische Affentheater eh nur noch lächeln. Die Sache hat eine Eigendynamik bekommen, die nur noch mit radikalen Mitteln in den Griff zu kriegen ist.

        PS: War kürzlich bei Christos „Floating Piers“ und habe bei Füssen winkenderweise einen Gruß ins Allgäu zu dir geschickt. Ich hoffe, er hat dich erreicht. http://www.mendweg.com/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif

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